Energieeffiziente Modernisierung eines Wohnhauses in Stuttgart
Ausgezeichnete Energiesparmaßnahme -
Keine fossilen Energieträger mehr nötig - Energiekosten sanken auf ein Fünftel
Familie Bisanz aus Stuttgart hat ihr Haus zum Effizienzhaus
umgebaut. Holz und Sonne decken den Wärmebedarf, das
Erscheinungsbild des Altbaus aus dem Jahr 1929 blieb erhalten.
Jetzt wurde die Energiesparmaßnahme mit einem Preis
der Europäischen Union prämiert.
„Wir wollten ein Vorzeigeobjekt mit maximaler Energieeffizienz und regenerativer
Energieerzeugung verwirklichen“, sagt Carsten Bisanz. „Das war unser
Anspruch.“ Der 40jährige Familienvater steht vor dem liebevoll sanierten Altbau
im Garten und zeigt auf die energetischen Neuerungen. „Eine Dämmung
an den Außenwänden senkt den Wärmebedarf. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
verstärkt diesen Trend. Der Lüftungsschlitz verbirgt sich
hinter dem holzverschalten Anbau.“ Den Restbedarf an Energie liefern CO2-
neutral eine thermische Solaranlage auf dem Dach und, von außen unsichtbar,
die Pelletheizung im Keller.
Ein weiteres Sanierungsmotiv nennt Dagmar Isermann, die Frau an der Seite
von Carsten Bisanz: „Unsere Kinder sollen in dem Bewusstsein aufwachsen,
dass erneuerbare Energien für eine zukunftsfähige Energieversorgung im
Haus notwendig sind. Besonders wichtig sind außerdem hohe Energieeinsparungen.
Denn die beste Energie ist die, die wir erst gar nicht benötigen“, betont
die Mutter von Nelly, Hauke und Lukas.
Um das zu erreichen, war eine umfassende Sanierung ihres Altbaus dringend
nötig. Kleine Grundrisse, alte kalte Bäder, eine nicht in den Wohnraum integrierte
Küche und dunkle Flure waren nicht das, was sich die Familie wünschte,
als sie 2004 das Haus kaufte. „Da ich selbst Gebäudeenergieberater bin und
Haustechnik im Wohnbau plane, entschlossen wir uns, die Sanierung selbst in
die Hand zu nehmen“, so Bisanz.
Der Erfolg gibt der Familie Recht. Warme Wände und allzeit frische Luft bei
einem Energiebedarf von nur noch einem Viertel ist das Ergebnis der Sanierung.
Benötigte der Altbau vorher 295 Kilowattstunden Endenergie pro Jahr
und Quadratmeter, sind es nun noch 26 Prozent oder 76 Kilowattstunden. Die
Heizkosten sind sogar auf gut 20 Prozent gefallen: Die Familie zahlt nach
Umsetzung der Energieeffizienzmaßnahmen 45 Euro monatlich. Vorher waren
es 210 Euro. Das überzeugte auch die Juroren des Wettbewerbes „Energieeffizienz
und gute Architektur“ der EU und des Umweltministeriums Baden-
Württemberg. Sie prämierten auf dem Energietag Baden-Württemberg im
September den erneuerten Altbau.
Wie gut das Ergebnis wirklich ist, zeigt ein Vergleich. „Bezogen auf die damals
gültige Energieeinsparverordnung 2007 hat das Haus einen 40 Prozent geringeren
Energiebedarf als ein Neubau“, bestätigt Claudia Rist von Zukunft Altbau,
dem Landesprogramm des Umweltministeriums. „Und das, obwohl es
bereits 80 Jahre alt ist.“ Für Häuser dieser Generation sei Energiesparen prinzipiell
kein Problem. Nachhaltige Energiekonzepte gäbe es praktisch für jedes
bestehende Gebäude, so die Energieexpertin.
Der Anteil nicht sanierter Häuser ist gewaltig: 70 Prozent der 2,2 Millionen
Wohngebäude im Südwesten wurden vor über 30 Jahren errichtet und sind
energetisch in einem schlechten Zustand. Noch. Denn neue gesetzliche Regelungen
wollen dieses Potenzial jetzt nutzen und setzten verschärft auf Energieeinsparung.
Seit Oktober gilt die novellierte Energieeinsparverordnung EnEV 2009. Gesamtsanierungsmaßnahmen
im Altbau werden künftig im Vergleich zur alten
Regelung rund 30 Prozent mehr Primärenergie einsparen. Auch das Erneuerbare-
Wärme-Gesetz in Baden-Württemberg will ab 2010 mehr Energieeffizienz.
Das Landesgesetz sieht vor, dass zehn Prozent des Wärmebedarfs von
bestehenden Wohngebäuden künftig über erneuerbare Energien abgedeckt
sind. Ersatzweise ist auch eine Wärmedämmung möglich, wenn dadurch der
Energieverbrauch erheblich sinkt.
Der Bedarf nach energieeffizienten Sanierungen wird künftig weiter steigen,
schätzen deshalb Experten. Bei der Stuttgarter Familie ist dieses Bedürfnis
seit nunmehr fünf Jahren gedeckt. Beispiel Dämmung: 20 Zentimeter Dämmung
der Außenwand stellen auch bei einem Altbau kein Problem dar. „Um
tiefe Dämmleibungen zu vermeiden, wurden die Fenster vom Mauerwerk nach
außen in die neue Dämmebene gesetzt“, berichtet Dagmar Isermann. „Für
gute Luft sorgt dann die Lüftungsanlage, auch morgens im Schlafzimmer, ohne
dass wir die Fenster öffnen müssen.“ Die Anlage verhindert auch Schimmelbildung,
da sie die Feuchte im Haus nach Draußen transportiert. Gleichzeitig
sinken die Energiekosten, da die Wärme der Abluft größtenteils wieder in
das Haus zurückgeführt wird.
Die Solarthermieanlage liefert in der heizungsfreien Zeit von Mai bis September
so viel Warmwasser, dass der Pelletkessel komplett abgeschaltet bleibt. „Die Sonne erwärmt das Duschwasser“, weiß der 13jährige Sohn Hauke. „Auch Waschmaschine und Spülmaschine bekommen das Warmwasser vom
Dach.“ In der kalten Jahresszeit heizt die automatische Pelletsanlage das
Wasser und die Räume. Der Kessel steht im Keller, der Vorratsspeicher für
die kleinen Holzpresslinge auch. Der Brennstoff für die Heizung kommt aus
der Region, ist klimafreundlich und kostet weniger.
So gut das Ergebnis ist, auf dem Weg dahin mussten die Beteiligten einige
Hürden nehmen, gibt Carsten Bisanz zu. So wurden trotz detaillierter Planung
schwer zugängliche Bereiche ungenügend gedämmt und mussten nachgebessert
werden. Auch die luftdichte Hülle, die bauliche Voraussetzung für die
Lüftungsanlage, benötigte eine mehrfache Schulung der Handwerker. Doch
am Ende wurden die gesetzten Ziele erreicht.
Die Sanierung lohnt sich auch finanziell, bekräftigen beide Eheleute. „Die
Mehrkosten für die energetische Sanierung betrugen 75.000 Euro – der Staat
hat davon 13.400 Euro übernommen“, so Bisanz. „Rechnet man die gesunkenen
Heizkosten, den gestiegenen Immobilienwert und künftige moderate
Heizpreissteigerungen hinzu, haben sich die Kosten in spätestens 15 bis 18
Jahren amortisiert“, freut sich Isermann. Danach spart die Familie rund 2.000
Euro Heizkosten pro Jahr.