Gut Holz
Moderne Kaminöfen sind sparsam und klimafreundlich
Aus gutem Grund feiert Holz in den vergangenen Jahren ein bemerkenswertes Comeback: Mit modernen Kaminöfen heizt man effizient und klimafreundlich. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat einen Überblick über den Stand der Technik und die Anforderungen an zeitgemäße Einzelöfen zusammengestellt. Neben der mit Scheitholz oder Pellets betriebenen Holzzentralheizung erfreuen sich auch Kachel- und Kaminöfen großer Beliebtheit – vermitteln sie doch, anders als der Kessel im Keller, dank der knisternden Holzscheite und der lodernden Flammen auch noch ein emotionales Wärmegefühl.
Saubere Verbrennung ist Pflicht
Der offene Kamin ist allerdings ein Auslaufmodell. Weil der Schadstoffausstoß dabei sehr hoch ist und der Wirkungsgrad niedrig, darf das „Lagerfeuer“ in den Räumen nicht mehr zur Heizung benutzt werden. Wenn es ein klassischer Kamin sein soll, dann bitte ein Modell mit Heizeinsatz und Glastür oder -scheibe. Die Zukunft jedoch gehört modernen, effizienten Kamin- oder Speicheröfen inklusive Staub- und Rußfiltern. Nach der kürzlich von der Bundesregierung beschlossenen Novelle der Kleinfeuerungsverordnung muss man ab 2014 auch für alte Heizöfen nachweisen, dass sie bestimmte Grenzwerte einhalten. Beim Kauf eines neuen Geräts sollte man also den aktuellsten Stand der Umwelttechnik berücksichtigen.
Wer sich für eine Einzelraumfeuerung – so heißen Öfen im offiziellen Bürokratendeutsch – entscheidet, hat die Wahl zwischen mehreren Typen. Kaminöfen stehen frei im Raum, benötigen wenig Platz und erlauben durch die Sichtscheibe den Blick aufs Feuer. Der Innenraum ist mit Schamottsteinen ausgekleidet, die Wärme speichern und diese über Lüftungsklappen gezielt in den Raum abgeben. Nach demselben Prinzip funktioniert auch der Warmluftkachelofen.
Der Urtyp des Kachelofens, der sogenannte Grund- oder Speicherofen, ist anders konstruiert. Hier wird die Hitze aus dem gemauerten Feuerraum über ein System von steigenden und fallenden Kanälen – keramische Züge genannt – durch den gesamten Ofenkörper zum Schornstein geführt. Dieser Ofentyp braucht etwa zwei Stunden zum Aufheizen. Dann aber gibt er über seine keramischen Oberflächen für viele Stunden eine als besonders angenehm empfundene Strahlungswärme ab.
Kamin- und Kachelöfen gibt es auch in Ausführungen, die mit Pellets beheizt werden. Das hat den Vorteil, dass der Brennraum über einen Vorratsbehälter mit 20 bis 30 Litern Füllungsvermögen automatisch „gefüttert“ werden kann. Außerdem verbrennen Pellets schadstoffärmer als andere Holzbrennstoffe. Kamin- und Kachelöfen leisten eher zu viel als zu wenig. Als Faustregel für die benötigte Heizwärmeleistung gilt ein Wert von einem Kilowatt pro zehn Quadratmeter (kW/m2). Mit Leistungen von 6 kW/m2 und mehr sind die meisten der im Handel angebotenen Modelle also für durchschnittliche Wohnräume deutlich überproportioniert. Besonders in einem gut gedämmten Haus wird es dann nicht wohlig warm, sondern unangenehm heiß.
Holz braucht Luft
Damit es keine Probleme bei der Verbrennung gibt, muss bei einem holzbefeuerten Ofen unbedingt Luft zugeführt werden – pro Kilo Holz benötigt man mehrere Kubikmeter. Denn bei gut gedämmten Häusern dringt kaum noch Luft von außen hinein. Die Verbrennungsluft muss dann über einen Durchlass in der Außenwand oder eine Zuführung durch den Schornstein zum Brennraum geleitet werden. Der Ofen muss dementsprechend als „raumluftunabhängig“ zertifiziert sein. Unabdingbar ist die Außenluftzufuhr bei einer kontrollierten Be- und Entlüftung, aber auch bei einer Dunstabzugshaube mit Abluftsystem. Die Installation eines Kaminofens sollte man daher frühzeitig mit dem Schornsteinfeger besprechen. Wer eine spätere Anschaffung plant, sollte bereits beim Neu- oder Umbau die Voraussetzungen für ein modernes Schornsteinsystem schaffen.
Bei der Ofenwahl sollte man also die Heizleistung dem tatsächlichen Bedarf angemessen wählen – oder die überschüssige Heizwärme anderweitig nutzbar machen. Über einen Anschluss an das Heizsystem kann nämlich ein Ofen, der mit einer „Wassertasche“ ausgestattet ist, die Warmwasserbereitung unterstützen oder mehrere Räume beheizen. Letzteres wird erreicht, indem man Heizwasser an den Heizflächen vorbei zu einem Speicher mit Wärmetauscher leitet. Von dort aus wird das Wasser bei Bedarf an die Heizkörper oder eine Wand- oder Fußbodenheizung verteilt. Auch die Arbeitsteilung mit einer Solaranlage ist eine mögliche Alternative.
Eine zentrale Heizungsanlage ersetzen kann der Einzelofen aber in der Regel nicht. Selbst bei sehr guter Dämmung und in Kombination mit Solarkollektoren sind andere Heizsysteme, etwa eine automatisch funktionierende Pelletheizung, die bedienungsfreundlichere und praktischere Lösung.
Dennoch kann der Kamin- oder Kachelofen auch über den unbestreitbaren Behaglichkeitsfaktor hinaus eine lohnende Investition sein. Immerhin rund 40 Prozent der jährlichen Heizkosten fallen in der Zeit von Mitte März bis Mitte November an, wenn die Temperaturen durchschnittlich über 10 °C liegen. Für diese Periode sind Einzelöfen ideal. Brennholz ist vergleichsweise billig – nach Expertenschätzungen lassen sich so bis zu 15 Prozent Heizkosten sparen. Davon kann besonders profitieren, wer über genügend Lagerplatz verfügt und das Holz günstig beim Forstbetrieb auf Vorrat einkauft.
Beim Kaminofen Geo geben 350 Kilo Speckstein die gespeicherte Wärme bis zu 15 Stunden lang ab: Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall/attika |
siehe auch: Bausparkasse Schwäbisch Hall