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Reiche Ernte auf dem Dach

Umweltfreundlicher Solarstrom bringt attraktive Renditen

Für Hausbesitzer, die sich mit der Anschaffung einer Photovoltaikanlage beschäftigen, gibt es in diesem Jahr eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Für Anlagen, die 2010 neu ans Netz gehen, ist die Vergütung seit 1. Januar neun Prozent niedriger als noch im Vorjahr und soll im Laufe des Jahres nochmal gekürzt werden. Der-zeit erhält der Betreiber „nur“ noch 39,14 Cent für jede ins Netz einge-speiste Kilowattstunde Strom – dies allerdings weiterhin für 20 Jahre gesetzlich garantiert. Die gute Nachricht: Angesichts der im letzten Jahr um rund 20 Prozent gesunkenen Preise für Solarmodule lohnt sich die Investition nach wie vor – für den Klimaschutz sowieso, aber auch unter finanziellen Gesichtspunkten. „Für alle, die ihren eigenen Solarstrom produzieren wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen“, ist Ingrid Lechner von der Bausparkasse Schwäbisch Hall überzeugt und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Planung, Montage, Technik und Betrieb einer Photovoltaikanlage.

Welche Dächer eignen sich für eine Photovoltaikanlage?
Ob das Dach sich grundsätzlich eignet, muss der Statiker klären. Um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen, sollte das Dach weitestgehend unver-schattet sein. Bei Satteldächern ist eine in Richtung Süden ausgerichtete Fläche mit einem Neigungswinkel von etwa 30 Grad optimal. Aber auch Dächer, die nach Südost oder Südwest weisen, kommen infrage. Eine Ab-weichung von der Südausrichtung um bis zu 45 Grad und Neigungen zwischen 25 und 60 Grad bringen nur geringe Ertragseinbußen – und das prak-tisch überall: In allen Teilen Deutschlands ist die Sonneinstrahlung hoch genug, um eine Photovoltaikanlage effizient zu betreiben.

Welche Möglichkeiten der Montage gibt es?
Photovoltaikmodule lassen sich auf nahezu allen Dachformen installieren. Die einfachste Variante ist die Aufdachmontage. Aufwendiger, aber optisch oft ansprechender ist die Integration der Module ins Dach, was bei Neubauten zudem den Vorteil hat, dass man sich dadurch ganz oder teilweise die Dacheindeckung mit Ziegeln sparen kann. Neben der typischen Installation auf dem Schrägdach kann man die Module auf flachen oder nur gering geneigten Dächern auch aufständern. Im Prinzip können Solarmodule überall am Haus angebracht werden, vorausgesetzt, die betreffende Stelle bekommt genug Sonne. Architektonisch attraktiv ist die Nutzung als Verschattungselement, zum Beispiel über der Terrasse. Prinzipiell kommen aber auch Fassade oder Balkongeländer sowie Nebengebäude wie Garage oder Gartenhütte in Frage.

Welche Arten von Solarzellen gibt es?
Solarzellen aus kristallinem Silizium haben derzeit einen Marktanteil von 85 Prozent. Dabei unterscheidet man mono- und polykristalline Zellen. Erstere werden aus einem einzigen großen Siliziumkristall gesägt und erzielen die höchsten Wirkungsgrade. Die effizientesten Serienmodule am Markt erreichen derzeit fast 20 Prozent. Module aus polykristallinen (auch multikristal-lin genannten) Zellen kommen auf Wirkungsgrade von bis zu 15 Prozent.

Neben Zellen aus gesägtem Silizium gibt es auch solche aus Dünnschicht-Silizium oder anderen Halbleitermaterialien. Dünnschichttechniken haben den Vorteil, dass sie mit weniger Material auskommen und dadurch in der Herstellung günstiger sind. Im Wirkungsgrad reichen diese Zellen allerdings noch nicht an die heute marktgängigen Produkte aus gesägtem Silizium heran.

Wie groß sollte die Anlage sein?
Grundsätzlich gilt: je größer, desto besser. Daher sollte die Größe eher an der vorhandenen Dachfläche und dem verfügbaren Kapital bemessen wer-den. Da bei der Montage Fixkosten entstehen (etwa für ein Gerüst), ist es ratsam, die Dachfläche bestmöglich auszunützen: je mehr Module aufs Dach kommen, desto geringer werden umgerechnet die Kosten je Kilowatt Leistung. Anlagen mit weniger als 1,5 Kilowatt Leistung lassen sich meist nicht wirtschaftlich betreiben.

Was kostet eine Solaranlage?
Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft kostete eine Anlage im dritten Quartal 2009 durchschnittlich 3.371 Euro pro Kilowatt (bei einer Gesamtleistung von unter 10 Kilowatt). Dabei handelt es sich um den End-kundenpreis inklusive Wechselrichter, allem Zubehör und Montage – und zwar ohne Mehrwertsteuer. Diese Angabe ist insofern sinnvoll, als die meisten Eigentümer ihre Solarstromanlage heutzutage als Gewerbe betreiben und damit die Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt zurückbekommen. Die Preisunterschiede der verschiedenen Modultypen sind relativ gering.
Wie hoch ist der Ertrag?

Der Ertrag hängt natürlich maßgeblich von der Sonneneinstrahlung am Standort ab, wobei die regionalen Unterschiede nicht so groß sind wie mit-unter vermutet. Für ein Kilowatt Leistung benötigt man eine Modulfläche von etwa 8 - 9 m2. Eine gute Anlage erzeugt damit in Norddeutschland pro Jahr rund 900 kWh Strom, im Süden gut 1000 kWh. Das folgende Beispiel beweist die Rentabilität: Eine Anlage mit 32 m2 Modulfläche, die 2010 nachträglich auf dem Dach eines Einfamilienhauses installiert wird, kostet rund 13.000 Euro. Sie produziert in 20 Jahren etwa 72.000 kWh Solarstrom. Dafür gibt es eine garantierte Vergütung von 28.180 Euro.

Die zeitweise Verschattung eines Teils der Anlage, eine Verschmutzung der Module oder eine falsche Auslegung der Komponenten - wenn der Wechsel-richter nicht ausreichend dimensioniert ist – können aber Einbußen bringen.

Kann man den Strom auch selbst verbrauchen?
Technisch ist das grundsätzlich möglich, doch war die Eigennutzung bislang wirtschaftlich nicht empfehlenswert, da die eingespeiste Kilowattstunde mit einem höheren Betrag vergütet wird als dem, den der Kunde für seinen Strom bezahlt. Seit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2009 ist das etwas anders. Wer seinen eigenen Solarstrom nutzt, bekommt diesen bei Inbetriebnahme der Anlage 2010 nämlich trotzdem mit 22,76 Cent je kWh gefördert. Da der Strom bei Einspeisung ins Netz mit „nur“ noch 39,14 Cent pro kWh vergütet wird, kostet jede selbst verbrauchte kWh rechnerisch nur 16,38 Cent netto. Allerdings benötigt man für dieses Modell einen zusätzlichen Stromzähler. Der Bundesverband Solarwirtschaft empfiehlt aufgrund des zusätzlichen Aufwands derzeit noch die Einspeisung der gesamten erzeugten Strommenge.
Welche Formalitäten sind zu beachten?

Eine typische Solaranlage auf einem normalen Einfamilienhaus ist meist nicht genehmigungspflichtig. Ausnahmen von dieser Regel sind vor allem größere bauliche Konstruktionen – etwa wenn die Module das Dach eines Carports bilden – sowie Freiflächenanlagen und denkmalgeschützte Objekte. Eine grundsätzliche Anmeldepflicht besteht gegenüber dem Netzbetreiber und seit 2009 auch gegenüber der Bundesnetzagentur (es sei denn, die Vergütung nach dem EEG wird nicht in Anspruch genommen). Wer die Anlage als Gewerbe betreibt, muss sie spätestens mit der ersten Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt anmelden. Dafür erhält man anschließend vom Fiskus die Mehrwertsteuer des Anlagenkaufs zurück.

Wer plant und installiert eine Photovoltaikanlage?
Damit sollte man auf jeden Fall einen qualifizierten Fachbetrieb beauftragen, den man beispielsweise unter www.solarfoerderung.de findet.

Welche Probleme können beim Betrieb auftreten?
Solaranlagen arbeiten nahezu wartungsfrei; nur eine Reinigung der Module kann hin und wieder sinnvoll sein. Die häufigste Ursache für einen Ausfall liegt beim Wechselrichter. Um solche technischen Probleme rechtzeitig zu erkennen, ist es ratsam, die Einspeisewerte regelmäßig zu kontrollieren. Auf die Geräte gibt es heute meist eine Herstellergarantie von mindestens fünf Jahren, die man auf Wunsch häufig auch auf bis zu 20 Jahre aufstocken kann. Entscheidet man sich gegen die verlängerte Garantie, sollte man einen Austausch des Wechselrichters nach etwa zehn Jahren einkalkulieren. Wartungs- und Betriebskosten sollte man mit jährlich 1,5 Prozent der Investitionssumme veranschlagen.

Solarmodule statt Dachziegel: Das 100 Quadratmeter große, nach Süden ausgerichtete Solardach produziert jährlich etwa 9.500 Kilowattstunden Sonnenstrom.
Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall / Solarworld
 

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