Flexible Zukunftshäuser
Vorausschauendes Bauen mit variablen Wohnlösungen liegt im Trend
Flexibilität ist eines der Schlagworte unserer globalisierten Welt. Und so verändert der Trend auch den Hausbau: Weg vom „für die Ewigkeit bauen“ – hin zu variable Behausungen, die auf die Herausforderungen sich verändernder Lebens- und Arbeitswelten mit innovativen Lösungen antworten. Die Architektur der Zukunft könnte so mobil sein wie der moderne Mensch. Schwäbisch Hall-Expertin Ingrid Lechner hat sich unter den Pionieren neuer intelligenter Bauformen umgesehen und wirft einen Blick auf bereits realisierte zukunftsträchtige Projekte.
Nur 13 Prozent der städtischen Bevölkerung leben im klassischen Einfamilienhaus. Dessen Zeit scheint passé, glaubt man Prognosen der Wohnungswirtschaft. Allein schon wegen der Grundstückskosten. Dazu kommen die veränderten gesellschaftlichen Ansprüche: Wer weiß in Zeiten der Globalisierung schon, wie lange er in derselben Stadt arbeiten wird?
Häuser, die sich allen Lebensphasen und -umständen anpassen können, sind daher zunehmend gefragt, vor allem zukunftsweisende Wohnkonzepte für Singles und Paare. Denn der klassische Familienhaushalt verliert mit der steigenden Zahl Alleinlebender und -erziehender an Stellenwert. Hinzu kommt, dass sich auch die zahlenmäßig immer größer werdende ältere Generation neu orientiert: Sind die Kinder aus dem Haus, wird dieses immer häufiger verkauft, um in einem kleineren Domizil einen Neuanfang zu machen. Aber auch Lebensmodellen wie Patchwork-Familie oder Mehrgenerationenhaus sowie dem Trend zur Verlagerung des Arbeitsplatzes in den häuslichen Bereich müssen die Häuser künftig Raum geben.
Maxi-Wohnwert auf Mini-Grundstück
Die Antwort auf die steigende Zahl der Ein-Personen-Haushalte lautet Singlehaus. Kleine Bauten auf minimalem Grund mit maximalem Wohnwert bieten alle Vorteile eines freistehenden Hauses, belasten das Budget aber deutlich weniger. Solche Häuser lassen sich bereits für Baukosten von 120.000 Euro hochziehen. Letzteres ist durchaus wörtlich zu nehmen, verteilen sich in solch einem Minihaus auf einem 32-m2-Grundstück doch die 72 m2 Wohnfläche auf vier Etagen. Im Haus selbst ist die geringe Größe nicht zu spüren. Die offene Gestaltung der Räume mit einem Minimum an begrenzenden Wänden sowie bodentiefe Fenster mit Blick ins Grüne vermitteln Großzügigkeit.
Mittendrin statt vor dem Tor
Viel Platz auf wenig Baugrund bieten auch die sogen. Townhouses, die neue Form des altbekannten Reihenhauses. Es will hoch hinaus, erstreckt sich nicht selten über mehr als drei Stockwerke, gern auch – der großzügigen Wirkung zuliebe – verteilt auf fünf oder sechs Ebenen in offenen Halbgeschossen. Der individuelle Gestaltungsspielraum ist dabei – auch auf relativ kleinen Grundstücksparzellen – deutlich höher als beim Geschosswohnungsbau. Der urbane Nachfolger des Reihenhauses steht vorzugsweise mitten in der Stadt. Dafür müssen neue Flächen aufgespürt werden, beispielsweise sanierte Industriebrachen. Mit 150 bis 180 m2 Wohnfläche üppig dimensionierte Stadthäuser in Gruppen von je fünf bis sechs Einheiten bedienen den Trend, Arbeit und Wohnen zu kombinieren.
Mit dem Baukastensystem vergrößern
Um den sich ändernden Lebensphasen und mit ihnen die Ansprüche ans Eigenheim Rechnung zu tragen, bieten Fertig- und Holzhaushersteller dank modularer Bauweise mittlerweile Erweiterungsoptionen für jede Lebenslage – vom 45-m2-Single-Bau bis zum Mehrgenerationenhaus. Das „1+Haus“ der Vereinigung ZimmerMeisterHaus ist ein Eigenheim für alle Lebenskonzepte, quasi ein flexibler Riesenbaukasten. Als Basis dient das Starterhaus mit 84 m2 Wohnfläche auf zwei Vollgeschossen für 115.000 Euro inklusive Bodenplatte. Kündigt sich das zweite Kind an oder macht sich der Familienvater selbständig, lässt sich problemlos ein 6x6 m großes Apartment mit gläsernem Verbindungsstrang andocken, ebenso ein kleinerer Anbau oder ein zweigeschossiges Element. Wer nicht in Etappen bauen möchte, sollte zumindest auf Leichtbauwände oder eine Holzskelettbauweise mit wenigen tragenden Wänden setzen. Dann kann der Grundriss bei veränderten Bedingungen jederzeit neu zugeschnitten werden.
Vielseitige Module für moderne Nomaden
Nach ähnlichem Prinzip funktioniert auch das Nomadhome: Einzelne Module mit je 11 m2 Grundfläche lassen das viermal so große Basisheim bei Bedarf wachsen, und dank Rohrsystembauweise die Elektrik und Haustechnik, Heizungs- und Klimaanlage gleich mit. Selbst die Außenhaut ist durch ein simples Stecksystem austauschbar und in verschiedensten Varianten von Alu über Lärchenholz bis zu farbiger PVC-Folie zu haben. Doch damit nicht genug, wenn’s sein muss, zieht die innovative Wohnlösung für flexible Individualisten auch mit um. Dazu müssen Nomadhomes in ihre Module zerlegt, diese auf Lkw verladen und am neuen Standort wieder montiert werden – ein Grundstück von 200 m2 ist als Standort ausreichend. Sind mobile Domizile hierzulande noch eine Ausnahmeerscheinung, ist es in den USA dagegen durchaus üblich, das Haus im Laufe des Lebens mehrmals zu wechseln und auch nicht so ungewöhnlich, die eigenen vier Wände auf Schwertransportern zum nächsten Wohnort mitzunehmen.
Foto: bausparkasse schwäbisch Hall / WeberHaus |