Es gibt Häuser, in denen sich Menschen nicht wohl fühlen, obwohl die Räume stilvoll eingerichtet sind und mit Ambiente das Auge erfreuen. Häufig liegt das an schlechter Akustik: Wenn ein Raum hallig klingt, wird eine Unterhaltung anstrengend, Musik mit Genuss zu hören ist kaum möglich. Das betrifft vor allem Räume, in denen sehr harte und glatte Flächen dominieren: Parkett oder Laminat am Boden, große Fensterflächen, Mobiliar aus Stahl und glattem Leder. Um solche Räume auch für das Ohr zu optimieren, muss die Einrichtung aber nicht gewechselt werden: Moderne Baustoffe (zum Beispiel Akustikdecken) regeln den Raumklang auf ein angenehmes Niveau.
„Hörsamkeit“ ist kein Wort aus der Werbesprache à la „unkaputtbar“, es ist ein Fachausdruck zur Beschreibung der akustischen Qualität von Innenräumen. Und um diese Qualität steht es vielerorts schlecht – in Schulen und Büros ebenso wie in Einfamilienhäusern oder Wohnungen. Dennoch wird über Hörsamkeit kaum gesprochen. Das Zusammenspiel der Schallwellen aus Reflexion (Rückstrahlung) und Absorption (Aufnahme) von Schallwellen „wird meist dem Zufall überlassen und als Ergebnis der Optik hingenommen“, beklagt Martin Hüpping, Akustikexperte des Baustoffherstellers Sto AG (Stühlingen). Nur ein ausgewogenes Verhältnis von reflektierenden und absorbierenden Flächen führt zu guter Hörsamkeit. „Der Wohlfühlfaktor ‚Akustik‘ bleibt schnell auf der Strecke, wenn schallharte, also reflektierende Oberflächen den Innenraum dominieren“, stellt Hüpping fest.
Die Decke als Ausgleichsfläche für´s Parkett
Wer nach heutigen Vorstellungen schöner wohnen will, begibt sich in ein Spannungsfeld. Populär sind schlichte Materialien und Accessoires, die ein repräsentatives Ambiente schaffen. Stein, Keramik und Parkett verdrängen Teppichböden; Jalousien oder leichte Volants lassen klassische Vorhangstoffe verschwinden und beim Mobiliar ersetzen edle Lounge Chairs aus Stahlrohr und Leder die klassische Couchgarnitur. Doch was nützt der schönste Raum, wenn die Akustik nicht stimmt und das gesprochene Wort oder der Musikgenuss beeinträchtigt sind? Eine solches akustisches Handicap ist meist mit einem Gefühl der Unbehaglichkeit verbunden. „Unbewusst reduzieren wir unsere Aufenthaltszeit in solchen Räumen, ja, meiden diese schlimmstenfalls ganz“, weiß Hüpping.
Der typisch negativ empfundene Klang wird durch zu lange Nachhallzeiten verursacht. Dabei entstehen Störgeräusche beziehungsweise echoartige Effekte. Dann fordert schon eine normale Unterhaltung hohe Konzentration. Dem entgegen wirken moderne Baustoffe mit Oberflächen, die den Schall „schlucken“. Sie ersetzen früher gebräuchliche Materialien wie Teppiche oder Vorhänge, die diese Aufgabe nebenbei erledigten. „Niemand muss auf Steinböden oder puristisches Mobiliar verzichten“, betont Hüpping. „Moderne schallabsorbierende Maßnahmen passen bestens zu moderner Ästhetik.“
Schallabsorption ist allerdings nicht mit Schalldämmung zu verwechseln: Während letztere vor Lärm von außen schützt (z.B. vor Trittschall aus der Nachbarwohnung oder Verkehrslärm), „schluckt“ die Akustikdecke Schallwellen innerhalb eines Raumes.
Ideal für diesen Ausgleich sind akustisch wirksame Decken. Sowohl lokal – beispielsweise über dem Esstisch – platzierte Segel als auch vollflächige Akustikdecken verbessern die Hörsamkeit und damit die Verständlichkeit, mindern oder beseitigen Störungen. Vollflächige Akustikdecken verbergen zudem lüftungs- und klimatechnische Bauteile oder integrieren Lampen und Lautsprecher.
Eine bis zu 200 Quadratmeter fugenlos verlegbare Funktionsdecke besteht laut Sto-Experte Hüpping aus fünf Elementen: Auf eine gängige Trockenbau-Unterkonstruktion werden Akustikplatten geschraubt. Häufig bestehen diese Platten aus Blähglasgranulat, was sie leicht, aber sehr steif macht und eine Verwendung auch in Bädern und Küchen ermöglicht. An den Stößen werden die Platten verklebt. Nun kommt zuerst eine Innenspachtelung auf die Fläche, bevor ein schalldurchlässiger Putz für eine ansprechende Optik sorgt. Ganz ähnlich ist der Aufbau bei einem akustisch wirksamen Deckensegel. Allerdings wird die Akustikplatte im Werk komplett vorgefertigt. Vor Ort wird das Segel dann schnell und schmutzfrei einfach an die Decke gehängt. Integrierte Lampen und gläserne Randelemente machen die akustische Verbesserung auch zu einem gestalterischen Blickfang.
Akustikdeckensegel lassen sich ohne großen Aufwand einbauen und auch wieder umhängen.
Fugenlose Akustikdecken sorgen für „den guten Ton“ und integrieren lüftungs- und klimatechnische Installationen sowie Lampen und Lautsprecher.
Fotos: Sto AG