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Die Zukunft des Hausbaus liegt im 3D-Druck

Der Hausbau bedient sich verschiedener Methoden, die sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt haben. Allerdings könnte es sein, dass sie demnächst großflächig abgelöst werden. Einige Unternehmen haben nämlich den 3D-Druck als Verfahren entdeckt, mit dem sich Häuser schneller und kostengünstiger errichten lassen. Somit könnten sich bald auch Menschen ein Eigenheim leisten, die aus verschiedenen Gründen in eine finanzielle Schieflage geraten sind. Bis Häuser aus dem 3D-Drucker aber zum Standard gehören, kann es noch eine Weile dauern.

Beim dreidimensionalen Druck verteilt eine Maschine ein flüssiges Material – üblicherweise erhitzten Kunststoff – schichtweise so, dass es eine vorgesehene Form entsteht. Was für kleinere Objekte wie Spielfiguren oder Schlüsselanhänger funktioniert, das lässt sich auch im größeren Maßstab umsetzen. Verwendet man nämlich eine riesige Maschine, die Beton oder ein ähnliches Material aus einer Düse spritzt, dann kann sie Häuserwände errichten. Die Konstruktion muss aber nicht nur eine gewisse Höhe haben, sondern auch mobil sein. So sollte sie sich entweder im Kreis drehen oder auf Schienen oder in anderer Form fortbewegen können.

Weltweit gibt es bereits einige Gebäude, die auf diese Weise gedruckt wurden. Im französischen Nantes steht beispielsweise das erste Haus dieser Art, in das Menschen eingezogen sind. Im Rahmen des Projekts Yhnova, für das die Universität von Nantes mit Unternehmen aus der Stadt kooperiert hat, entstand im Jahr 2017 ein 95 Quadratmeter großes Haus mit fünf Zimmern. Der 3D-Druck der Wände nahm lediglich 54 Stunden in Anspruch, anschließend mussten Bauarbeiter noch das Dach und die Fenster installieren. Insgesamt dauerten die Tätigkeiten am Gebäude rund vier Monate, das Budget für das Projekt betrug weniger als 200.000 Euro. Im Juli 2018 war es dann soweit: Eine Familie zog in das Haus ein.

Dass Bauarbeiten noch schneller und günstiger sein können als die an Yhnova, stellt das US-amerikanische Unternehmen Icon seit einigen Jahren unter Beweis. Mitte 2018 präsentierte es in Austin in Texas ein Haus mit einer Fläche von 60 Quadratmetern. Den Angaben des Unternehmens zufolge dauert der gesamte Fertigungsprozess gerade einmal 24 Stunden und verursacht Kosten in Höhe von 10.000 Dollar. Als wäre das nicht schon günstig genug, entwickelt Icon weiterhin fleißig Maschinen, mit denen der Prozess noch preiswerter gemacht werden kann.

Erst im Februar 2020 entstand in Dubai das größte Haus, das je durch das 3D-Druckverfahren errichtet wurde. Das zweistöckige Gebäude hat eine Fläche von 641 Quadratmetern, die sich auf zwei Etagen befinden. Das Bauwerk wird von der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate genutzt. Es ist das bislang größte Ergebnis einer durchaus ehrgeizigen Bauoffensive der Stadt Dubai. Diese will nämlich bis 2030 für 25 Prozent aller neu errichteten Häuser den 3D-Druck einsetzen.

Nicht nur für Häuser, sondern auch für Brücken greifen manche Bauherren auf den dreidimensionalen Druck zurück. Die längste Brücke der Welt, die im 3D-Druckverfahren geschaffen wurde, befindet sich in Shanghai. Sie erstreckt sich in einer Länge von 26,3 Metern über einen Kanal. Die Basis der Brücke besteht aus 44, das Geländer aus 68 Teilen, die alle aus recycelten Materialien bestehen. Zwei Roboterarme waren insgesamt 450 Stunden damit beschäftigt, die Teile zu drucken.