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Die Kunst der besonderen Verglasung

Wie aus einem regionalen Glaserbetrieb einer der führenden Spezialisten für Restaurierungs- und Sonderverglasungen wurde

Sollingglas feierte jetzt sein 50-jähriges Bestehen. Seit der Gründung im Juli 1976 hat sich das Unternehmen vom regionalen Glasmontagebetrieb zu einem europaweit anerkannten Spezialisten für Restaurierungsverglasungen, historische Fenstergläser und technisch anspruchsvolle Sonderlösungen entwickelt. Heute entstehen in Derental Verglasungen für Bauwerke, bei denen Standardprodukte an ihre Grenzen stoßen – von denkmalgeschützten Kirchen und Schlössern über Museen bis hin zu UNESCO-Welterbe-Stätten. Die Verbindung von traditionellem Glashandwerk, eigener Entwicklungsarbeit und wissenschaftlicher Forschung prägt die Ausrichtung des Unternehmens bis heute. 

Die meisten Glasverarbeiter fertigen Produkte in standardisierten Formaten und Stückzahlen, bei Sollingglas dagegen gleicht kaum ein Auftrag dem anderen. Viele Verglasungen werden speziell für ein einzelnes Bauvorhaben entwickelt – abgestimmt auf historische Fenster, denkmalpflegerische Vorgaben und technische Anforderungen – hier liegt die besondere Stärke des Unternehmens seit fünf Jahrzehnten. Dabei war dieser Weg keineswegs vorgezeichnet. Als Sollingglas von 1976 von Hilmar Schanze gegründet wurde, standen klassische Glaserarbeiten im Mittelpunkt. Nach einer Ausbildung zum Glasermeister und Glasbautechniker stiegt Heiko Schanze in den väterlichen Betrieb ein und übernahm im Herbst 2005 die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung erfolgte die strategische Neuausrichtung des Unternehmens, unter anderem der Ausbau der Verbundglasfertigung, der Einstieg in die Restaurierung historischer Verglasungen sowie zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte. 

Heiko Schanze erinnert sich: „Die Idee entwickelte sich zu einer echten Leidenschaft – wir wollten zu Spezialisten für Aufgaben werden, die weit über die Möglichkeiten industrieller Standardlösungen hinausgehen. Wir definieren uns darum bis heute über technisches Know-how, hohe Fertigungstiefe und die Fähigkeit, für außergewöhnliche Anforderungen individuelle Lösungen zu entwickeln.“ Zu den Referenzen zählen zahlreiche nationale und internationale Restaurierungsprojekte, darunter die Hamburger Speicherstadt, der Dresdner Zwinger sowie Kirchen, Schlösser und weitere denkmalgeschützte Bauwerke. 

Restaurierung historischer Gebäude: Re-Use prüfen!

Die Projekte verdeutlichen zugleich den Wandel der Denkmalpflege, wie Schanze erläutert: „Früher waren hauptsächlich originalgetreue Rekonstruktionen gefragt, heute sind es technisch ausgereifte Verglasungen, die historische Substanz erhalten und gleichzeitig den Anforderungen moderner Gebäude gerecht werden.“ Dafür arbeitet Sollingglas eng mit Architekten, Restauratoren, Denkmalbehörden und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. Mit Forschungspartnern beschäftigt sich Sollingglas unter anderem mit der Analyse historischer Gläser, neuen Restaurierungstechnologien und der technischen Ertüchtigung und Wiederverwendung originaler Verglasungen. Gerade der „Re-Use“ gewinnt im Zuge der ökologischen Transformation der Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung, denn historische Verglasungen sind wertvolle Materialien, die sich prüfen, aufarbeiten und gegebenenfalls erneut einsetzen lassen. 

Fünf Jahrzehnte nach der Gründung steht Sollingglas damit für einen Weg, der in der Glasbranche eher die Ausnahme als die Regel ist. Während viele Hersteller ihre Wettbewerbsfähigkeit über Standardisierung und hohe Stückzahlen ausbauen, setzt das Unternehmen aus dem Weserbergland konsequent auf Spezialisierung. Die „Kunst der besonderen Verglasung“ beschreibt eine Haltung, die Sollingglas seit 50 Jahren prägt.

Im Hotel „Sly Berlin“ wurde ein etwa 14 Meter langer und drei Meter hoher Gang mit farbigem Glas gestaltet. Die Anforderung bestand darin, handgefertigtes, farbiges Tischkathedralglas als teilvorgespanntes Glas (TVG) zu verarbeiten und anschließend mit einer Gegenscheibe zu Verbundsicherheitsglas (VSG) zu laminieren, für höhere Stoß- und Temperaturbeständigkeit. Weil das Glas Energie je nach Farbe unterschiedlich absorbiert, wurden die thermischen Eigenschaften bei der Verarbeitung und Vorspannung individuell berücksichtigt. Foto: Jochen Stueber
In der Fassade der ehemaligen Maschinenzentralstation sind die historischen Stahlfenster ein prägendes Element. Sollingglas entwickelte darum ein System, das die technischen Werte der Fenster auf heutiges Niveau hebt und gleichzeitig die originale Ästhetik beibehält. Foto: Sollingglas